Willst du die absolute Freiheit spüren, wenn du durch Australien fährst? Dann brauchst du einen Geländewagen, einen 4WD, mit einem eingebauten Bett! Damit kannst du übernachten wo du willst, zum Beispiel am Strand! Nein, nicht auf dem Parklatz daneben, sondern auf dem Sand direkt am Wasser. Das ist Freiheit, das ist Australien! Offroad, Baby! 2012, auf unserer Australien Tour, hatten wir uns in den Kopf gesetzt die “Insel” einmal zu umrunden. Im eigenen Auto, weil man nur so die wirklich abgelegenen Spots des Landes anfahren und die Einsamkeit und Natur genießen kann. Wir waren uns wirklich lange nicht einig darüber, ob es ein normaler Campervan mit viel Platz oder lieber ein 4WD Geländewagen mit weniger Komfort, dafür ohne Ende flexibel werden sollte. In Cairns haben wir uns auch ein paar Vans angeguckt, aber begeistert waren wir nicht. Es musste einfach ein 4WD sein. Über Gumtree haben wir auch ein paar Kandiaten gefunden, leider hatten alle ein paar Haken. Deshalb wir uns für einen Toyota Land Cruiser Prado 1998 von einem australischen Händler entschieden. So hatten wir auch noch die australische Gewährleistung (dealer warranty) von 1 Monat / 1000km auf alles am Fahrzeug. Gekostet hat er uns ca. $ 7000 roadworthy (australischer TÜV). gelaendewagen ABER, Bett gab es natürlich nicht. Also mussten wir selber ran. Ich habe schon im Vorfeld bei allen Autos die Innenmaße inspiziert. Der Prado, eigentlich ein 8-Sitzer, hatte das absolut größte Innenvolumen im Vergleich zu allen anderen Geländewagen, die uns in den 2 Wochen in Cairns angeboten wurden (140 breit, 190 lang, 115 hoch). Nach der Autoübergabe haben wir insgesamt 6 Tage gebraucht, um den Innenausbau zu planen, einzubauen und 2 Nächte lang zu testen, bevor wir dann zur ersten Tour aufgebrochen sind.

Am Anfang war die Idee mit den Sitzen

bender2Eigentlich wollten wir die hinteren Sitze ausbauen und weg schmeißen, aber Pustekuchen. Weil die Karre auf 8 zugelassen war, mussten wir alle Sitze zum Verkauf wieder beisammen haben, sonst hätte es mit dem erneuten TÜV (Safety Certificate) nicht geklappt. Ca. $1000 sollte der Transport von einer Spedition nach Sydney kosten, von wegen! Die Rücksitzbank kam aufs Dach und durfte mitfahren, währen die beiden kleinen Rücksitze als nettes Päckchen nach Sydney für unter $100 verschickt wurden. Ich hatte einfach angenommen, dass der Spritverbrauch mit dem Paket aufm dem Dach nicht nennenswert höher liegen würde.

Weil aber der Vorbesitzer das Auto ziemlich versaut hatte und uns ein deftiger Innengeruch auf den Senkel ging, mußten wir die Karre in eine Waschbox gefahren und haben dort glücklicherweise einen Teppich-Dampf-Reiniger gefunden, mit dem wir das ganze Auto durchpusten konnten. Da kam so viel Dreck aus den Teppichen heraus, wir kamen gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Wie lange der wohl im Outback damit unterwegs gewesen war … Das Versprühen von Geruchsneutralisierer hat dann noch den gewünschten Effekt erzielt. Das Auto trocknete zwar noch 3 Tage lange aus aber danach, war es wirklich für mehrere Monate lang richtig gut zu riechen.

Wie soll so ein Bett eigentlich aussehen ?

Die Bettkonstruktion sollte

  • ein bequemes Doppelbett sein (mind. 3 Monate Schlafzeit),
  • genügend Platz für unsere Koffer, Eis-Box, Küchen und Camping-Utensilien,
  • und noch ausreichend Platz im “Bett-Raum” zum Ein- und Aussteigen, Hinsetzen und ein optionales Moskito-Netz bieten
  • und wieder abbaubar und günstig sein.

Da ich selber nicht der Handwerker bin, habe ich mich bei der Bettkontruktion an das gehalten, was ich einigermaßen einfach verarbeiten kann und was ich alles bei IKEA Konstruktionen gelernt habe. Außerdem wollte ich alle Teile auch einfach beim Bunnings (einem der austral. Baumärkte) besorgen und zuschneiden können, ohne viel dafür zu bezahlen. Der Rahmen sollte auf der Basis der beiden hinteren Sitze aufsetzen, die Hauptlast des Betts und 2 Personen tragen können und vor allem die Verankerung des Gestells am Auto ermöglichen. Um an beiden Türen, sowie hinten ein- und aussteigen zu können, mussten die Kanten natürlich 95kg (rein fiktive Gewichtsannahme) locker aushalten können. Ebenfalls sollte auch in der Mitte das Bett nicht durch hängen. Um den Rahmen mit einfachem Werkzeug aus dem Baumarkt verarbeiten zu können, habe ich mich für Kantholz (42x42mm), sowie für Pressholzplatten (12mm) für die Liegefläche entschieden. Bett-Konstruktion mit Beschriftung An allen “5 Ecken” sowie dem Mittel-Fuß habe ich zusätzlich Bleche mit vorgebohrten Schraublöchern angebracht, um die Winkel zu versteifen. Der asymmetrische  Aufbau hinten war bewusst gewählt, um links die Eis-Box perfekt unterzubringen und den rechten Raum für Nahrungsmittel und Küchenutensilien ausnutzten zu können. Auch dieses Konzept ist gut aufgegangen, weil nachher genau 2 Woolys’ Kühltaschen neben einander gepasst haben. Nach dem Verschrauben des Rahmenwerks, habe ich nochmals den Innenraum ausgemessen und die 4 Teile der Liegefläche mit 3cm Abstand zur Innenwand aufgezeichnet. Genau diese 4 Teile hat  mir dann der Holzzuschnitt beim Bunnings in Cairns so angefertigt, was echt sehr freundlich war. Ok,er hatte zwar mit seiner Riesenkreissäge einiges verschnitten, aber am Ende passte es doch noch rein. Das ganze hatte nämlich locker ‘ne halbe Stunde gedauert und er musste zwischendurch noch etliche andere Kunden bedienen.

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Aber nachdem er die Teil in unserem Prado eingelegt gesehen hat, musste er noch erwähnen, das viele Leute sich für ein Autobett bei ihm zuschneiden lassen, aber diese Bett sei wohl die besten und stabilste Konstruktion gewesen, die er bisher gesehen hat. Thx Mate! bender13 Also Matratze (8cm dick von Clark Rubber) ausgepackt und  im Hostel noch alles auf Praxistauglichkeit getestet. Doch nach 2 Tagen sind wir endlich zu unserer ersten Tour zum Cape Tribulation im Daintree National Park gestartet. 

Campervan Fotogalerie

Résumé

Im Nachhinein kann ich sagen, dass die reinen Materialkosten für das Bett wirklich nicht hoch waren (ca 150 AUD). Jedoch alleine das kaufen aller Tools, wie Säge, Akkuschrauber, Wasserwage, etc. pp. doch sehr teuer war (ca 200 AUD). Dabei haben wir natürlich gleichzeitig noch Werkzeug fürs Auto und die Touren besorgt, somit lässt sich das nicht so gut heraus rechnen (zusätzliche 200 AUD). Der Zugang zum Gepäck von hinten sowie von den Seitentüren war sehr gut, da dass Gestell recht hoch gebaut war. Die Schaumstoff-Matratze von 8cm dicke war am Anfang ok, aber nach 3 Monaten hätten wir doch lieber die 10cm Version oder einfach eine echte von IKEA nehmen können. Die Innenhöhe auf dem Bett war zwar nicht optimal zum Sitzen, aber dafür gut für ein tägliches Yoga, und am Ende sogar doch recht kuschelig, mit dem Holzgeruch. Aber unabhängig davon bedeutet ein Bett im Offroad Auto, dass man zu jeder Zeit und an jedem Ort übernachten kann und damit die unglaublichsten Spots in Australien erleben darf, die man mit einem Tour Bus oder einem Campervan nie erreichen würde. Und genau das ist dann das wahrliche unglaubliche Australien! Habt ihr noch Fragen zum Ausbau? Oder habt ihr selbst Erfahrung im Um- oder Ausbau eines Autos? Ich bin gespannt davon in Euren Kommentaren zu lesen. Cheers, Paul

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