Gestern war es soweit. Ich habe meine erste giftige, ja sogar tödlich giftige Schlange gesehen. Noch immer bekomme ich eine Gänsehaut beim Gedanken daran, dabei habe ich eigentlich keine Angst vor Schlangen und habe sie auch schon angefasst. Natürlich nur im Zoo.

Aber gestern war es anders. Wir waren auf dem Rückweg vom Barron Falls Lookout in Kuranda in der Nähe von Cairns. Es war sogar ein befestigter Boardwalk, wie es hier viele gibt. Und es sind dort immer viele Menschen unterwegs. Deshalb hätte ich nie damit gerechnet, dort einer Schlange zu begegnen. Denn normalerweise gehen Schlangen uns Menschen aus dem Weg. Beim geringsten Erschütterungen ergreifen sie die Flucht.

Barron Falls

Barron Falls near Kuranda, QLD

Doch gestern war es anders. Wir gingen also auf dem Boardwalk und plötzlich raschelte es neben mir. Und des Rascheln klang nicht wie ein kleiner Lizzard. Im Augenwinkel sah ich den Schlangenkopf 20cm von meinem Bein entfernt. Viel zu nah. Ich habe meine Freundin mitgerissen und bin nach vorne gesprungen. Hinter mir hat die Schlange den Weg überquert. Sie war nicht scheu. Und im Oktober ist Mating und Breeding Season, das wusste ich. Auf Deutsch die Paarungs- und Brutsaison. Da sind die Schlangen generell aggressiver.

Paul war hinter uns und hat alles beobachtet. Er ist nach hinten geflüchtet. Er meinte, sie sah nicht so aus als hätte sie mich attackieren wollen. Aber trotzdem, das war zu nah, viel zu nah. Und sie kam in meine Richtung, anstatt zu flüchten. Man was habe ich mich erschreckt. Ich habe direkt gesagt: „ Das ist eine Brown!“, aber gehofft habe ich was anderes. Nachher haben wir es im Internet gecheckt. Sie war grau und ca. 1,5 m lang. Es war wahrscheinlich eine Eastern Brown Snake, eine der gefährlichsten Schlangen in Australien. Nicht die giftigste, das ist der Inland Taipan, aber sie ist die zweitgiftigste. Und sie hat, laut dem Guide bei Hartley’s Corocodile Adventure, die meisten Schlangenopfer auf dem Gewissen. Oh man! Da sieht man während einem Jahr Reisen keine Schlange und dann direkt zwei innerhalb von zwei Wochen.

Eastern Brown Snake

Eastern Brown Snake

Die andere habe ich neben dem Pool auf dem Campingplatz in Wonga Beach entdeckt. Das war aber eine ungiftige yellow-bellied Tree Snake. Da habe ich mich noch gefreut endlich eine Schlange zu sehen.

Aber wie vermeidet man eine Schlange zu sehen?

Normalerweise reicht es einfach feste aufzutreten, durch die Erschütterungen fliehen die meisten Schlangen schon bevor man in der Nähe ist.

Sie liegen gerne an sonnigen Plätzen unter Laub oder herabgefallenen Ästen, deshalb hebe ich nichts auf, wenn ich nicht sehen kann, was darunter ist. Vor allem auf Kinder muss man aufpassen. Und bevor man über einen umgefallenen Baum steigt, sollte man mal einen Blick dahinter werfen. Und auf Äste und nicht drüber steigen. Ich greife nicht in dunkle Felsspalten oder in Steinhaufen, wer weiß schon was da lebt. Außerdem sollte man hohes Gras meiden und in der Nähe von Wasserlöchern vorsichtig sein.

Und wenn man eine Schlange sieht sollte man mit langsamen Bewegungen den Rückzug antreten, sie sind viel schneller als wir Menschen und fühlen sich durch schnelle Bewegungen gereizt.

Natürlich hilft auch festes Schuhwerk und eine lange Hose, besser noch solche Manschetten für die Knöchel. Dort passieren am ehesten die Bisse.

Wir sind aber eher australisch eingestellt und leben mit dem Spruch „She’ll be alright!“ oder „Should be fine!“ und laufen mit Thongs (FlipFlops) durch den Wald. Nur wenn wir längere Bush Walks machen, ziehen wir schon mal Laufschuhe an. Aber das solltest du so machen, wie du dich sicher fühlst. Manche Australier und vor allem Aborigines laufen sogar barfuss durch den Bush.

Inland Taipan

Inland Taipan – Quelle: Photo by XLerate

Wie erkennt man welche Schlange es ist?

Man kann einen Schlange anhand ihrer Größe, ihres Musters, der Kopfform und der Farbe erkennen. Das ist am Anfang aber wirklich schwer. Wenn wir die Gelegenheit haben, schauen wir uns immer die ausgestellten Schlangen an und versuchen uns mit den verschiedenen Arten vertraut zu machen.

Wir informieren uns im Visitor Centre welche Arten es in der Gegend gibt und schauen uns Fotos an, bevor wir einen Bush Walk machen. Eine ganz gute Übersicht habe ich bei Australien-Panorama.de  und der Sydney University gefunden.

Kennen sollte man auf jeden Fall den Inland Taipan, die Brown Snake und die Death Adder. Diese kommen häufig vor und sind für die meisten Bissattacken verantwortlich. Todesfälle gibt es nur ein bis zwei im Jahr. Jedenfalls wurde uns diese Zahl auch von dem Guide gesagt.

Death Adder

Death Adder

 

Was muss man tun, wenn man gebissen wurde?

Vergiss alles was in irgendwelchen Filmen gezeigt wurde. Auf keinen Fall sollte man Wunden aufschneiden, aussaugen oder auswaschen.

Als erstes die australische Notrufnummer anrufen. Das ist die 000.

Pressure Immobilisation Bandaging

Pressure Immobilisation Bandaging

Auf der Bisswunde wird ein Druckverband angelegt. Das lernt man normalerweise, wenn man den deutschen Führerschein macht. Wurde man in Arm oder Bein gebissen, sollte man den ganzen Arm am besten mit einer elastischen Binde bandagieren und mit einer Schlinge ruhig stellen. Am Bein kann man einen Stock als Stütze unter dem Verband benutzen, um das Bein ruhig zu stellen.

Dann ist es ganz wichtig, dass das Opfer Ruhe bewahrt und sich ruhig verhält, da jede Bewegung, das Gift schneller im lymphatischen System verteilt. Also am besten bleiben, wo man ist und auf eine Trage warten. Dabei sollte das Opfer viel trinken.

snake-first-aid

Bandagiertes Bein

Wenn irgendwie möglich sollte man sich die Schlange genau angucken und am besten ein Foto machen, um sie nachher zu bestimmen, damit das richtige Gegengift genommen wird. Aber geh kein Risiko ein und fange auf keinen Fall die Schlange. An der Bisswunde ist normalerweise noch genug Gift, um die Schlange zu bestimmen.

Hier gibt es ein Poster  der Erste Hilfe Maßnahmen. 

Wie wahrscheinlich ist es denn gebissen zu werden?

Es werden über 1000 Menschen im Jahr gebissen, zumindest ist das eine Zahl die man immer wieder von Rangern hört. Aber oft injiziert die Schlange kein Gift beim ersten Biss, das nennt man dry bite. Bis auf den Taipan, der beißt sofort scharf. Deshalb gibt es nur sehr weniger fatale Unfälle, ca. 1,8 Todesfälle im Jahr.

TIger Snake

Tiger Snake

Sieht man es mal in Relation zu einer anderen Bedrohung, kann man doch etwas beruhigter durch den Bush spazieren.

Denn mehr als 1000 Menschen sterben in Australien im Straßenverkehr. Und als Tourist ist das die größte Gefahr. Denn wir sind Rechtsverkehr gewöhnt und gucken immer zuerst in die falsche Richtung beim Straße überqueren oder biegen mit unseren Leihautos falsch ab. Manche werden sogar zum Geisterfahrer und es kommt zu Zusammenstößen. Es ist sogar wahrscheinlicher, dass man stirbt, weil einem eine Kokosnuss auf den Kopf fällt. Also am Strand immer schön nach oben gucken, bevor man sich hinlegt.

Ich habe einen gesunden Respekt vor Schlangen und versuche nicht in ihr Territorium einzudringen. Trotzdem werde ich weiterhin mit FlipFlops zum Lookout oder Swimming Hole gehen. Should be alright. Man kann sich einfach nicht gegen alle Risiken absichern. In Deutschland fahren ja auch noch alle Auto, obwohl tausende im Jahr im Straßenverkehr sterben. Deshalb lass dich bloß nicht von deinen Ängsten aufhalten. Raus aus deiner Komfortzone.

Hast du schon mal eine Schlange oder andere giftige Tiere in der Wildnis gesehen? Oder hast du noch Fragen über Tiere in Australien? Dann ab damit in die Kommentare.

Viele Grüße aus Tropical North Queensland,

Dani

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