Ein Bulli ist schon immer mein Traumauto gewesen, ich verbinde damit absolute Freiheit. In Deutschland konnten wir einfach einsteigen und losfahren. Für ein Wochenende oder für den Sommerurlaub. Losfahren und schauen wo man landet. Mein Traum wäre natürlich ein T1 oder ein T2, natürlich in türkis und schön restauriert. Aber Paul denkt da sehr praktisch und möchte auch ein gutes Fahrgefühl haben. Deswegen hatten wir schon in Deutschland einen T4 und auch in Australien führte an dieser Liebe kein Weg vorbei.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir unseren VW Bus in Deutschland verkauft haben, wie bei unseren Katzen war uns wichtig, dass er in eine tolle neue Familie kommt und viele neue Abenteuer erlebt. Eigentlich Blödsinn, aber das spiegelt vielleicht wider, welche Emotionen wir mit unserem Bulli verknüpfen. Wir hatten sogar überlegt ihn mitzunehmen, aber leider ist es Permanent Residents (Menschen mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung) nicht erlaubt ein Auto mit dem Lenkrad auf der linken Seite anzumelden. So haben wir mit feuchten Augen unserem Bulli hinterher gewunken.

Deshalb musste es in Australien auch einfach ein VW T4 Campingbus sein. Wir haben lange gesucht, da wir einen mit manueller Schaltung, Dieselmotor und in der Langversion wollten. Am Ende wurde es ein VW T4 Transporter in der Langversion, aber mit Benzinmotor in Friesengrün.

Dieser VW Bus war schon zum Camper umgebaut und somit konnten wir sofort zu einer Probewoche aufbrechen, um zu überlegen, ob und wie wir ihn umbauen möchten.

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Morgensonne im Gesicht und gemütlich liegen bleiben

Viele Leute fragen uns, welche Vorteile einen (VW) Campingbus im Gegensatz zum Wohnmobil hat

Ist doch ganz logisch, oder? Es ist ein Bulli. Aber Scherz beseite. Natürlich ist ein Campingbus deutlich vielseitiger, beweglicher und stilvoller, als jedes Wohnmobil der Welt! Mit ihm ist das Manövrieren durch enge Straßen genau so möglich, wie das Fahren in einer belebten Stadt und noch viel wichtiger, das Parken ist einfacher. Mit dem großen Wohnmobil kann man das oft vergessen. Außerdem verzeiht er auch mal eine Schotterpiste, die es hier ja nun ziemlich oft gibt. Der Campingbus ist damit der perfekte Allrounder für Australien und das mit einem unbeschreiblichen Flair!

Und warum haben wir keinen Campingbus von Toyota, Mitsubishi oder was es sonst noch so gibt gekauft?

Die meisten dieser Kleinbusse haben den Motor unter der Sitzbank. Das wird warm und bei Reparaturen kommt man schlecht dran. Oder die Modelle waren von den Abmaßen kleiner und wir wollten ja viel Platz. Und natürlich spielen die Emotionen auch eine Rolle, wir lieben Bullis einfach. Außerdem kennt Paul den T4 ja schon aus Deutschland ganz gut und hat die kleinen Macken, kennen und lieben gelernt hat. Es war einfach keine Frage, dass es wieder ein Bulli werde würde.

Wie wir Lori zu unserem Zuhause (Campingbus) umgebaut haben

Gekauft haben wir schlussendlich einen schon zum Camper umgebauten VW T4 Transporter. Dieser Umbau hat uns aber nicht so gut gefallen.

Erstens war alles schon älter und etwas ranzig und zweitens war es für uns auch nicht so praktisch. Es war ein Schrank für einen Gaskocher eingebaut, ein weiterer Schrank für Küchensachen, dazwischen blieb Platz für den Campingkühlschrank. Dann gab es drei Sitzbänke in U-Form mit Stauraum. In der Mitte war ein Tisch, den man abbauen konnte und die Platte zwischen die Sitzbänke legen konnte, um damit das Bett zu bauen.

Aber wie wir Deutschen so sind wollen wir natürlich immer optimieren. Deshalb habe ich angefangen einen kompletten Umbau zu planen. Da wir ja schon damals überlegt hatten, mindestens ein Jahr im Camper zu leben, war uns ein professioneller Umbau sehr wichtig. Denn schließlich wollten wir nicht nur reisen, sondern auch weiterhin vom Campingbus aus arbeiten können.

Warum ein professioneller Umbau?

Da wir selbst keine super guten Handwerker sind und ja auch keine Garage mit entsprechendem Werkzeug besitzen, haben wir uns eine Firma gesucht, die uns beim Umbau unterstützen würde.

Nach einen Preisschocks sind wir bei Drifta gelandet, die hauptsächlich Schubladensysteme für Geländewagen anfertigen, weshalb alles sehr leicht und robust ist. Mittlerweile bieten sie auch individuelle Anfertigungen für Camper an.

Unser Campertraum wird wahr – Die Planung

Ich habe dann einen groben Plan angefertig und damit sind wir zu Drifta nach Gloucester gefahren. Zusammen mit Mark habe ich diesen Plan verfeinert, so dass Drifta dann mit der Produktion der Teile beginnen konnte. Die Produktionszeit betrug sechs Wochen, was netterweise noch relativ kurz war, da wir einen festen Termin hatten, um weiter nach Norden zu Reisen. Drifta ist ziemlich gefragt, da sie günstige Preise haben und gute Qualität liefern.

Zunächst war uns sehr wichtig ein festes Bett zu haben, da wir nicht jeden Tag das Bett umbauen wollten. Da unser VW Bus keine Stehhöhe hat, kam für mich drinnen kochen nicht in Frage.  Aus der Erfahrung von unserem großem Roadtrip um Australien im Geländewagen, hatten wir festgestellt, dass man immer irgendwie draussen kochen kann. Es gab nur eine Situatution an den Devil’s Marbles wo wir uns gewünscht hätten drinnen kochen zu können. Aber wann ist es schon mal so windig, dass der Kocher nicht angeht und ein Dingo um das Auto schleicht?

Außerdem sollte es drinnen eine kleine Sitzecke geben, als Büro für schlechtes Wetter. Ein großer Campingkühlschrank musste seinen Platz finden und außerdem wollten wir massenhaft Stauraum, der auch noch gut erreichbar sein sollte. So entstand der Plan von drei großen Schubladen, zwei die sich am Heck öffnen lassen und eine die zur Seitentüre aufgeht. Die beiden am Heck waren gleichzeitig auch die Auflage für eine Schaumstoffmatratze von Ikea. Dadurch haben wir ein richtiges Bett. Ich schlafe immer noch am liebsten im Bulli, es ist einfach urgemütlich und kuschelig.

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Die andere Schublade an der Seite wurde gleichzeitig zur Sitzbank. Mit einem kleinen Tisch zwischen Bett und Sitzbank haben wir eine kleine, aber feine Sitzecke geschaffen, so dass wir mit zwei Notebooks gegenüber arbeiten konnten. Neben der Sitzbank steht der Campingkühlschrank und ist somit auch von außen gut erreichbar. Im hinteren Teil der Sitzbank ist noch ein Stauraumfach, worin die zweite Batterie und die restliche Elektronik untergebracht ist.

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Zusätzlich zu den zwei großen Schubladen unterm Bett haben wir noch zwei kleine Schubladen, die sich zum Innenraum öffnen lassen. An den Seiten neben den Radkästen gibt es noch mehrere Stauraumfächer, die lassen sich aber nur öffnen, wenn die Matratze hochgehoben wird. Dann haben wir an einer Seite des Bettes noch ein Holzregal mit mehreren Regalbrettern, wo wir unsere Klamotten einräumen können, geplant. Über dem Kopfende wurde noch ein Regalbrett an die Decke angebracht, um noch eine Ablage für Krimskrams zu haben.

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Und da wir ja keine Küche drinnen haben, wurden über einer großen Schublade hinten und über der schmalen Schublade an der Seite, Tische eingeplant. Diese wurde auch speziell angefertigt und können aus den Fächer rausgezogen werden und wie ein normaler Campingtisch aufgebaut werden. Oder man zieht sie nur halb raus und nutzt sie als Ablage oder Arbeitsfläche am Auto.

kochen im campingbus

Die Vorbereitung war ziemlich schweißtreibend

Vorher mussten wir natürlich alles was schon drin war ausbauen, das bedeutete alles rausreissen und einmal zur Müllkippe fahren. Dann habe ich den Campingbus geschrubbt ohne Ende. Da war ich wirklich froh, dass wir einen neuen Ausbau machen.

Um bei der sehr starken Sonneneinstrahlung nicht gebraten zu werden, haben wir die Innenwände vorher selbst isoliert. Dafür haben wir alle Löcher im Boden mit Isoliertape zugeklebt und die hinteren Fenster mit einer Hartschaumplatte und einer sehr dicken Alufolie aus dem Baumarkt (Bunnings) abgedichtet. Ich weiß auch gar nicht, warum diese Fenster überhaupt nachträglich eingebaut wurden. Es wird einfach viel zu heiß im Camper. Der Unterschied mit der Isolierung war wirklich enorm.

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Der Umbau zum besten Camper, ever

Drifta hatte ja schon die ganzen Schubladen und so vorgefertigt und so stand der Einbau und die Auskleidung noch an. An einem Tag sollte das über die Bühne gehen. Wir hatten für 2 Nächte im Motel eingecheckt und konnten mit einem Geländewagen (4WD) von Drifta die Gegend erkunden.

Zunächst wurde Lori  (sie hatte zwischenzeitliche eine Taufe) mit Sperrholzplatten ausgekleidet und diese wurden mit unempfindlichem Teppich, den Ihr auch aus normalen Autos kennt, bezogen. Dann wurden sämtliche Schubladen und Fächer eingbaut und noch ein paar Regale und Klappen individuell eingebaut oder angepasst. Abends konnten wir Lori wieder in Empfang nehmen. Leider war einem Handwerker ein Missgeschick passiert und so konnten wir einen der Ausziehtische nicht mitnehmen. Doch am nächsten Morgen konnten wir auch den in Empfang nehmen.

Unsere Sachen hatten wir im Motelzimmer zwischengelagert und konnten so abends schon alles wieder reinräumen und, nach dem wir den Tisch in Empfang genommen hatten, direkt losfahren. Denn für uns ging es weiter nach Brisbane, um mit einem Freund einen 10-tägigen Roadtrip an der Ostküste zu machen.

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Lori wird zum Luxuscamper

Und bei diesem Test hatten wir echt nichts zu bemängeln. Natürlich haben wir nach und nach ein paar Dinge zusätzlich eingebaut, wie zum Beispiel LED-Licht in der Decke, Fliegengitter und Moskitnetze.

Mit den beiden Tischen, die über den Schubladen rausgezogen werden können, kann man sich schnell eine Küchenbar aufbauen. Auf dem schmalen Tisch steht dann der Gaskocher und daneben bleibt sogar Platz zum Schnibbeln. Der andere Tisch ist wirklich groß für einen Campingtisch, aber wir wollten ja genug Platz haben, um zu zweit daran zu arbeiten.

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Mit der Zeit sind einige Extras dazu gekommen. Wir sind ja schon ziemliche Luxuscamper. Denn wir haben eine Dolce Gusto Kaffeemaschine (mittlerweile reicht dann doch wieder der Espressokocher), einen Pizzaofen und einen Stabmixer. Ich glaube, diese Dinge findet man sonst selten in (Miet-)Campervans. Liegt vielleicht auch daran, dass wir im Camper gelebt haben und es nicht nur Urlaub war. Auch sonst ist die Campingküche mit allem ausgestattet, was zwei Personen so brauchen.

Wir sind immer noch ziemlich happy mit der Arbeit von Drifta und dem Umbau-Konzept. Auch nach über einem Jahr sieht der Camper von Innen noch aus wie neu. Ich glaube es gibt nur einen Fleck auf dem Boden, der nicht mehr abgeht.

Leider steht Lori mittlerweile mehr auf dem Parkplatz, als das sie die Westküste erkundet. Wir haben jetzt einen Geländewagen als zweites Auto, mit dem wir die meiste Zeit unterwegs sind. Aber da wir noch sehr an Lori hängen und immer noch gerne ihren Luxus genießen, wollen wir sie nicht verkaufen. Deshalb haben wir uns überlegt, Lori nicht nur an Freunde und Bekannte zu verleihen, sondern Euch auch diese Möglichkeit zu geben. Wir finden es einfach schade, wenn so ein toller Campingbus ungenutzt herum steht.

Update: Wir verkaufen Lori

Schreib uns einfach hier eine Email, wenn Du Interesse hast.

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